Was das CDP-Rating bewertet – und was nicht
Das CDP-Rating basiert ausschließlich auf dem, was ein Unternehmen selbst angibt. Das ist anders als manche andere Rating-Anbieter, die auch Informationen aus öffentlichen Quellen heranziehen. Wer bei CDP schlecht abschneidet, hat entweder tatsächliche Lücken in der ökologischen Performance – oder hat Vorhandenes nicht richtig angegeben. Der zweite Fall kommt häufiger vor als man denkt.
Der Bewertungsprozess ist transparent – und mehrstufig. Jede Frage wird auf mehreren Levels bewertet: Disclosure, Awareness, Management, Leadership, A-List. Man braucht genügend Punkte pro Level und muss zusätzlich die Essential Criteria erfüllen. Die konkreten Bewertungskriterien und Plausibilitätschecks sind öffentlich einsehbar – sogar im Fragebogen selbst. Eine gute Bewertung ist also durchaus verdient. Das Problem bei CDP ist also nicht Intransparenz. Manchmal ist es schlicht das Fehlen von Daten und Maßnahmen. Häufig liegt es aber am Schritt zwischen „Maßnahme umgesetzt“ und „Maßnahme korrekt angegeben“.
Der eigentliche Zeitfresser: Quality Check
Die Datenerhebung dauert, bei Unternehmen, die bereits einen etablierten Umweltdatenprozess haben, nicht lange. Der Quality Check – also die Prüfung, ob man auf Basis der eigenen Angaben die möglichen Maximalpunkte erhält – ist aufwändiger und entscheidend. Die Methodik ist transparent und zugänglich. Der Check erfordert aber eine gründliche Auseinandersetzung damit, Erfahrungswerte mit dem sich laufend weiterentwickelnden CDP-System helfen zusätzlich.
Nicht angegebene Inhalte kosten natürlich Punkte, aber auch Konsistenz zwischen den Antworten ist kritisch. CDP prüft nämlich querläufig. Wer in einer Frage eine Information erwähnt, in einer anderen aber dieselbe Kategorie leer lässt, fällt auf.
CDP gibt nach der Einreichung eine grobe Rückmeldung zu offensichtlichen Lücken – eine erste Orientierung. Das hilft, ist aber kein Ersatz für die eigene Prüfung davor.
Governance: Die Fragen, die niemand allein beantworten kann
Der komplexeste Bereich sind die Governance-Fragen. Sie fragen nicht nur, ob eine Policy existiert, sondern wer sie trägt, wie sie verankert ist – und was passiert, wenn sie verfehlt wird. Das sind Entscheidungen, Verantwortlichkeiten und Prozesse – keine Datenpunkte.
Das ist auch der Grund, warum eine Verbesserung im CDP-Rating ein Jahr Vorbereitungszeit braucht. Unsere praktische Erfahrung zeigt regelmäßig, dass der Großteil des Zeitaufwands nicht in den Daten, sondern in internen Klärungsprozessen liegt.
CDP und ESRS: Gleiche Daten, andere Tiefe
Ein ESRS-Bericht ist jedenfalls eine gute Ausgangsbasis. ESRS-Daten lassen sich direkt für CDP-Antworten einsetzen. Mit einem vollständigen ESRS-Bericht ist man bei CDP auf Disclosure-Level sehr gut aufgestellt. Auf Awareness-Level kommen schnell weitere Punkte dazu: Der Bericht entsteht jährlich, ein Prozess steckt dahinter, die Daten werden extern geprüft.
Der wesentliche Unterschied zwischen ESRS und CDP liegt in der Granularität. CDP fragt Methodik und Datenerhebungsprozess deutlich detaillierter ab, als man es in veröffentlichten ESRS-Berichten sieht. Der Mehraufwand liegt in der vertieften Fragestruktur, nicht in anderen Datenpunkten. Einige CDP-Fragen gehen über ESRS hinaus, zum Beispiel zu Taxonomie-Investitionen und CapEx-Angaben. Das ist keine Doppelung, sondern eine Erweiterung in die Richtung, die Kunden und Kreditgeber zunehmend einfordern.
CDP-Ergebnisse: Öffentlich einsehbar?
Lieferanten können ihre CDP-Antworten auf Wunsch nur für anfragende Kunden sichtbar machen. Das Level (A/B/C/D) ist immer öffentlich, die Details sehen nur CDP-Mitglieder.
Unternehmen, die den gesamten Fragebogen veröffentlichen, setzen ein klares Zeichen der Transparenz und positionieren sich als Vorreiter – so können sie insbesondere vom Benchmarking profitieren. Denn vollständig veröffentlichte CDP-Fragebögen anderer Unternehmen sind ein aussagekräftiges Vergleichsmaterial: CapEx-Angaben, konkrete Maßnahmen, Governance-Strukturen. Der Druck zur Verbesserung kommt vermehrt über den Lieferantenvergleich beim Kunden bzw. Finanzierungspartner. Viele stellen zwar kein simples Mindest-Level als Aufnahmekriterium – aber wenn andere Lieferanten besser dastehen, wird das im Einkauf sichtbar.
Alle Jahre CDP
CDP ist kein Projekt, das man einmal abarbeitet. Es ist ein wiederkehrender Prozess, der intern verankert sein muss – von der jährlichen Datenerhebung bis zur Governance-Entscheidung.
Software kann den Datenerhebungsprozess stark vereinfachen, indem Daten einmal erhoben werden und direkt in CDP, ESRS und weitere Berichtsformate fließen. Das vermeidet Doppelarbeit und Inkonsistenzen und macht den jährlichen Prozess stabiler.
Und es lohnt sich früher als später mitzumachen. Denn der CDP-Fragebogen ist eines der besten Analyse-Instrumente für Umweltperformance, zu Lücken in Governance, Maßnahmen und Daten. Wer ihn ernsthaft durcharbeitet, weiß am Ende, wo die nächsten Schritte liegen und kann sie strukturiert angehen. Im richtigen Tempo, mit dem richtigen Vorlauf.
Quellen
CDP (2024): CDP Full Corporate Scoring Introduction – https://cdn.cdp.net/cdp-production/cms/guidance_docs/pdfs/000/005/652/original/CDP_Full_Corporate_Scoring_Introduction.pdf