Warum Klimapläne regelmäßig neu gedacht werden müssen 

Net-Zero-Ziele stehen heute in fast jedem Nachhaltigkeitsbericht. Was oft fehlt, ist der Weg dorthin: ein realistischer, umsetzbarer und vor allem dynamischer Climate Transition Plan. Viele Pläne bleiben statisch – obwohl sich Geschäftsmodelle, Regulierung und Rahmenbedingungen laufend verändern. Genau hier setzen sogenannte Transition Planning Cycles an. Sie machen Klimapläne zu einem wirksamen Steuerungsinstrument statt zu einem einmal erstellten Dokument. 

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Climate Transition Plans dürfen keine statischen Langfristpläne sein – sie müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden.
  • Regulatorik und Frameworks verlangen zunehmend dynamische, überprüfbare Übergangspläne.
  • Transition Planning Cycles strukturieren diesen Prozess in wiederkehrenden Phasen – analog zu Strategie- und Budgetzyklen.
  • Ein wirksamer Klimaplan verbindet Ziele, Maßnahmen, Finanzierung, Governance und Monitoring zu einem lernenden System.

Warum statische Übergangspläne scheitern 

Viele Klimastrategien sind auf 2030, 2040 oder 2050 ausgerichtet. Gleichzeitig verändern sich Unternehmen laufend: neue Technologien, volatile Energiepreise, geopolitische Entwicklungen, strengere Regulierung oder veränderte Marktanforderungen. 

Transition-Pläne entstehen daher oft als Reaktion auf externen Druck – etwa durch Investor:innen oder Berichtspflichten – und werden danach kaum weiterentwickelt. Genau hier liegt das Problem: Ein Plan, der nicht regelmäßig überprüft wird, verliert schnell seine Steuerungswirkung. 

Auch internationale Rahmenwerke reagieren darauf. So sieht der aktuelle Entwurf des Net-Zero Standard der Science Based Targets Initiative (SBTi) ein zyklisches Validierungsmodell mit erneuerter Zielprüfung und kurzfristigen Zielintervallen vor.  

Transition Planning Cycles: Das Grundprinzip 

So wie Unternehmensstrategien in regelmäßigen Strategiezyklen überprüft werden, braucht auch die Klimastrategie einen wiederkehrenden Planungs- und Steuerungsprozess. 

Transition Planning Cycles sind strukturierte, kontinuierliche Abläufe, mit denen Unternehmen ihren Climate Transition Plan laufend anpassen. Sie verwandeln eine statische Klimastrategie in ein lernendes System. 

Orientiert man sich an den Empfehlungen der Transition Plan Taskforce (TPT) sowie an aktuellen IFRS-Leitlinien, lassen sich vier zentrale Phasen unterscheiden. 

Grafik: Transition Plan Cycles

Phase 1: (Re-)Assessment – Verstehen, wo das Unternehmen steht 

Am Beginn jedes Zyklus steht die fundierte Bestandsaufnahme. Entscheidend ist die Einbindung der obersten Führungsebene, um Verbindlichkeit sicherzustellen. 

Kernelemente dieser Phase: 

  • Identifikation relevanter Stakeholder 
  • Bewertung klimabezogener Risiken und Chancen 
  • Analyse von Auswirkungen und Abhängigkeiten entlang der Wertschöpfungskette 
  • Aktualisierung des Corporate Carbon Footprints (Scope 1–3) 
  • Überprüfung zentraler Hebel für die Transition 

Diese Phase lässt sich gut mit der regelmäßigen Wesentlichkeitsanalyse verknüpfen, wie sie u. a. durch ESRS und IFRS Sustainability Disclosure Standards gefordert wird. 

Phase 2: Ambition setzen – Prioritäten schärfen 

Auf Basis der Analyse werden Ziele überprüft und – wenn nötig – angepasst. Dabei geht es nicht nur um Emissionsziele, sondern auch um Annahmen zum Geschäftsmodell, zu Wachstumspfaden und zur Entwicklung der Wertschöpfungskette. 

Politische Richtungswechsel, neue Marktanforderungen oder veränderte Kundenbedürfnisse können erhebliche Auswirkungen haben. Ein Climate Transition Plan muss diese Unsicherheiten berücksichtigen und Szenarien integrieren – nicht ignorieren. 

Phase 3: Planung der Maßnahmen – Von der Strategie zur Finanzierung 

In dieser Phase werden konkrete Maßnahmen für die Periode konkretisiert: Welche Maßnahmen werden bis zur nächsten Cycle umgesetzt? Entscheidend ist ihre Priorisierung und Integration in bestehende Planungsinstrumente. 

Wichtige Aspekte: 

  • Verknüpfung mit Investitions- und Budgetplanung 
  • Bewertung von CapEx- und OpEx-Auswirkungen 
  • Überprüfung von Governance, Richtlinien und Anreizsystemen 
  • Festlegung geeigneter Kennzahlen und Ziele zur Steuerung 

Technologische Entwicklungen oder Marktveränderungen können die Wirtschaftlichkeit einzelner Maßnahmen stark verändern. Was gestern noch unwirtschaftlich war, kann morgen ein zentraler Hebel sein – und umgekehrt. 

Phase 4: Umsetzung & Monitoring – lernen und nachsteuern 

Nach der Planung folgt die operative Umsetzung. Fortschritte werden anhand klar definierter KPIs überwacht. Abweichungen vom Plan sind kein Scheitern, sondern ein Signal zum Nachjustieren. 

Ergebnisse, Anpassungen und Learnings sollten transparent dokumentiert und kommuniziert werden – idealerweise im Rahmen der jährlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung. So wird der Transition Plan nachvollziehbar und glaubwürdig. 

Best Practices für erfolgreiche Climate Transition Plans 

  • Klimathemen sind strategisch: Verantwortung gehört in den Vorstand, nicht in eine isolierte Fachabteilung. 
  • Anpassung ist Professionalität: Ein dynamischer Plan zeigt Lernfähigkeit, nicht Unsicherheit. 
  • Stakeholder aktiv einbinden: Erwartungen von Investor:innen, Kunden und Geschäftspartnern müssen berücksichtigt werden. 
  • Dialog suchen: Austausch mit Wissenschaft, NGOs und Mitbewerbern erweitert den Blick. 
  • Change Management ernst nehmen: Transformation betrifft das gesamte Unternehmen – kulturell und organisatorisch. 

Fazit: Vom Zielbild zum Steuerungsprozess 

Ein Climate Transition Plan ist kein statisches Zukunftsbild, sondern ein dynamischer Managementprozess. Seine Wirkung entfaltet er nur dann, wenn er regelmäßig überprüft, angepasst und weiterentwickelt wird. 

Transition Planning Cycles helfen Unternehmen, mit Unsicherheit umzugehen und Klimastrategien an technologische, finanzielle und regulatorische Veränderungen anzupassen. Wer Klimapläne als lernende Systeme versteht, erhöht nicht nur die Resilienz des eigenen Geschäftsmodells, sondern auch die Glaubwürdigkeit gegenüber Investor:innen, Regulatoren und Öffentlichkeit. 

Transformation beginnt nicht mit einem Ziel. Sie beginnt mit einem Prozess. 

Weiterführende Informationen 

Wir unterstützen Unternehmen dabei, Transition- und Dekarbonisierungspläne strukturiert zu entwickeln und schrittweise umzusetzen. Dazu arbeiten wir mit unterschiedlichen Formaten – von Workshops zur strategischen Einordnung bis hin zur operativen Ausarbeitung von Maßnahmen, Zielsystemen und Steuerungslogiken. 

Einen praxisnahen Einblick bietet unser Dekarbonisierungs-Demo-Tool im Climate Toolkit 👉 klima.susform.at Dort zeigen wir beispielhaft, wie Temperaturpfade, organisches Wachstum und Maßnahmen zusammenspielen. 

Quellen

[1] TPT Transition Planning Cycle – ITPN 

[2] Developing the Corporate Net-Zero Standard Version 2 – Science Based Targets Initiative 

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