Herausforderungen und Lösungen im ESG-Daten­dschun­gel

In Zukunft werden Unternehmen eine ganze Reihe an nachhaltig­keits­bezogenen Daten offenlegen müssen. Die ökologische und soziale Leistung spielt dann eine ebenso große Rolle, wie die wirtschaftliche.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Ab 2025 müssen die Lageberichte von Unternehmen bis zu 100 quantitative Datenpunkte beinhalten, welche von den ESRS (European Sustainability Reporting Standards) gefordert werden.
  • Viele Unternehmen sind überfordert. Der Aufwand und die Komplexität bei der Erhebung der vielfältigen Informationen stellt sie vor enorme Herausforderungen.
  • Excel ist nach wie vor das gängigste „Tool“ bei der Sammlung und Analyse von ESG-Daten. Das ist nicht nur ein Risiko für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen. Die fehlende Möglichkeit Änderungen nachzuvollziehen oder Benutzerrechte zu vergeben, kann auch bei der Auditierung durch den Wirtschaftsprüfer zu Problemen führen.
  • Ein strukturierter Datenmanagement-Prozess hilft, die Komplexität zu reduzieren und den Aufwand für einzelne Mitarbeiter:innen gering zu halten. In 5 Schritten bringen wir ESG-Datenmanagement auf den Punkt.

Die Datenlage ist dünn

Die zunehmenden Regularien zu ESG und Nachhaltigkeit stellen Unternehmen in ganz Europa vor große Herausforderungen.

Besonders weitreichend sind die Auswirkungen der CSRD, der sogenannten Corporate Sustainability Reporting Directive, welche die Unternehmensberichterstattung quasi revolutioniert. Knapp 50.000 Unternehmen in ganz Europa sind bereits ab dem Geschäftsjahr 2024 davon betroffen. Im Rahmen des Lageberichts müssen bis zu 12 Themenbereiche rund um Umwelt (E), Soziales (S) und Governance (G) behandelt werden. Den inhaltlichen Standard dafür legen die ESRS (European Sustainability Reporting Standards) fest, mit über 1.000 quantitativen und qualitativen Datenpunkten.

Wie eine aktuelle Studie von PwC Deutschland im Mittelstand zeigt, zählt der Mangel an belastbaren Daten zu den größten Hürden beim Nachhaltigkeitsreporting. 73 Prozent der befragten deutschen Unternehmen stoßen auf Schwierigkeiten bei der Erfassung, Qualität, Verarbeitung und Analyse ihrer Daten. In Österreich ist die Lage wohl nicht anders.

Zunehmend rückt diese Thematik deshalb auf die Agenda der Vorstandsetagen. Den Geschäftsführer:innen wird bewusst, dass der Erfolg ihres Unternehmens immer häufiger nach ESG- Kennzahlen bewertet wird. Investoren, Banken und Kund:innen verlangen dazu verlässliche und valide Daten.

Immer mehr CFOs und Finanzabteilungen nehmen sich daher der Sache an. Sie sind letztlich für die Daten im Jahresabschluss verantwortlich. Doch während Umsätze, Kosten und Gewinne zu ihrem täglichen Brot gehören, ist der Umgang mit CO2-Äquivalenten, Abfallmengen oder Trainingsstunden für viele Neuland.

ESG-Tools: Von der kargen Steppe zum dichten Dschungel

Diese Herausforderungen rufen Tool-Anbieter auf den Plan. Der Markt zu ESG-Software-Lösungen hat sich in nur wenigen Jahren von einer kargen Steppe in einen wahren Dschungel verwandelt.

Solche Tools haben das Potenzial, einen essenziellen Beitrag zur nachhaltigen Transformation von Unternehmen zu leisten. Hier geht es nicht nur um die Verfügbarkeit von verlässlichen und zeitnahen Informationen. Auch die zielgerichtete Analyse der Informationen und die Verknüpfung mit den Finanzkennzahlen sind für das Management essenziell, um zukunftsweisende Entscheidungen treffen zu können.

Dennoch sind die meisten Unternehmen zögerlich bei der Implementierung von Software-Lösungen. Zu unklar sind noch die eigenen Anforderungen, zu dynamisch die Regulatorik und zu vielfältig die Lösungen.

Excel ist deshalb nach wie vor das „Tool“ der Wahl. In Deutschland nutzen immer noch 78 Prozent der Unternehmen aus dem Mittelstand excelbasierte Lösungen für ihre Nachhaltigkeitsdaten. Das ist nicht nur ein Risiko für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen. Die fehlende Möglichkeit, Änderungen nachzuvollziehen oder Benutzerrechte zu vergeben, kann auch bei der Auditierung durch den Wirtschaftsprüfer zu Problemen führen.

Was aber sind wirklich gute Alternativen zu Excel und wann ist der richtige Zeitpunkt, eine ESG-Software einzuführen?

Auf den Punkt gebracht: in 5 Schritten die ESG Daten im Griff

Um die Fragen nach einem Software-Tool beantworten zu können, müssen Unternehmen zuerst noch eine Reihe an anderen Hausaufgaben erledigen. Ein Tool alleine, kann die vielfältigen Herausforderungen niemals lösen. Vielmehr müssen Unternehmen einen strukturiertes Datenmangement aufsetzen, an dessen Ende eine Tool-Implementierung steht.

Folgende 5 Schritte bringen Ihr ESG-Datenmanagement auf den Punkt.

ESG-Datenmanagement in 5 Schritten

1. Datenpunkte und Datenquellen identifizieren

Definieren Sie die Ziele Ihrer ESG-Datenerhebung und die dazu erforderlichen Datenpunkte. Die Basis hierfür legt nach ESRS eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Bestimmen Sie die relevanten ESG-Indikatoren, aus den ESRS sowie aus anderen Reporting-Anforderungen durch Kunden, Banken und andere Stakeholder.

Ermitteln Sie die verschiedenen Quellen, aus denen Sie Ihre ESG-Daten beziehen können. Teilweise sind Daten bereits in den bestehenden IT-Systemen vorhanden wie beispielsweise in den Systemen aus Einkauf (z.B. Gewicht eingekaufter Waren, MWh eingekaufte Energie), HR (z.B. Aus- und Weiterbildungsstunden, Prozentsatz von weiblichen Führungskräften) und Finanz (z.B. Ausgaben für Klimaschutzmaßnahmen). Andere Daten sind eventuell aus physischen Rechnungen ablesbar (z.B. Tonnen entsorgter Abfall). Einige Daten müssen erst erhoben werden beispielsweise über Fragebögen an Lieferanten, Mitarbeitende oder sogar extern recherchiert werden (z.B. Emissionsfaktoren)

Identifizieren Sie auch mögliche Datenlücken und entwickeln Sie Strategien, um diese zu schließen.

2. Verantwortlichkeiten und Prozesse aufsetzen

Legen Sie fest, wer im Unternehmen für welche Daten zuständig ist. Hier gilt es nicht nur eine Rolle für die Datenerhebung festzulegen, sondern auch für die Kontrolle und Freigabe, sowie für die Analyse und Interpretation der Daten. Diese Personen stellen sicher, dass die Daten vollständig, zuverlässig, genau und aktuell sind, analysieren Trends, Muster und Abweichungen. Implementieren Sie automatische Kontrollen und Mechanismen zur Datenvalidierung, beispielsweise durch interne Audits.

3. Reporting-Handbuch erstellen

Ein Reporting-Handbuch fasst die zu erhebenden Datenpunkte, Datenquellen, Verantwortlichkeiten und Prozesse zusammen. Es stellt sicher, dass einheitliche Definitionen für die Daten genutzt werden und alle im Unternehmen dasselbe Verständnis haben. Auch zu Grunde liegende Annahmen, notwendige Rechenschritte und zu verwendende Umrechnungsfaktoren werden hier dokumentiert.

4. Software-Tool auswählen und implementieren

Basierend auf den definierten Strukturen und Prozessen, kann ein Software-Tool ausgewählt werden.

Das Ziel der Lösung ist es, die erfassten Daten in einer geeigneten Datenbank zu speichern und zu strukturieren. Als sogenannte „Single-source of truth“ können alle Analysen und Reports sich aus dieser Datenbank speisen und alle Mitarbeiter:innen im Unternehmen haben zu jeder Zeit den selben Status der Daten.

Erstellen Sie eine Liste an Anforderungen und Kriterien, die Ihnen bei der IT-Lösung wichtig sind. Beispiele hierfür können sein:

  • Abdeckung der relevanten ESG-Datenpunkte
  • Integration unterschiedlicher Datenquellen
  • Analysefunktionen, Dashboards und Reports
  • Anpassungsfähigkeit und Skalierbarkeit
  • Integration in bestehende Prozesse
  • Benutzerfreundlichkeit
  • Support und Schulung durch Anbieter
  • Sicherheit und Datenschutz

5. Überprüfung und Verbesserung sicherstellen

Überprüfen Sie regelmäßig Ihre ESG-Datenerhebungsmethoden und -ergebnisse. Identifizieren Sie Bereiche, in denen Verbesserungen erforderlich sind, und nehmen Sie entsprechende Anpassungen vor. Nehmen Sie Feedback von relevanten Stakeholdern entgegen und nutzen Sie dieses zur kontinuierlichen Verbesserung Ihrer ESG-Datenerhebung.

Besser heute als morgen

Daten sind das Fundament der ESG-Pyramide und die Grundlage für informierte strategische und operative Entscheidungen zu Umwelt, Sozialem und Governance.

Wir empfehlen Unternehmen daher, besser heute als morgen mit der Entwicklung eines strukturierten ESG-Datenmanagements zu starten. Damit sind Sie nicht nur besser auf die Anforderungen der Regulatorik und Ihrer Stakeholder vorbereitet, sondern sparen auch Zeit und Geld gegenüber ineffizienten Erhebungsprozessen, oder falschen Tool-Entscheidungen.

Sie fragen sich, woher bald die ganzen Daten für Ihren Nachhaltigkeitsbericht kommen sollen, und wer das wie bewerkstelligen soll? In unserem 2-Tages-Umsetzungstraining „ESG-Datenmanagement“ helfen wir Ihnen durchzustarten!

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Gemeinsames Porträt von Geschäftsführerinnen: Birgit Haberl, Julia Schwarzbauer und Julia Fessler

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