Allgemeiner Ausblick: Eine Welt im Dauerkrisenmodus
Schon das Titelbild des im Januar 2026 erschienenen WEF Global Risks Report [1] verrät die allgemeine Stimmung: “Die Welt steht am Abgrund“.

Grafik: Titelbild des im Januar 2026 erschienenen WEF Global Risks Reports
Auch wenn das überspitzte Symbolsprache ist – es spiegelt die Ergebnisse des Global Risks Perception Survey wider, bei dem über 1.300 Entscheidungsträger:innen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft befragt werden, welche globalen Risiken sie als besonders relevant einschätzen – kurzfristig und langfristig. Und ein Großteil dieser kann als ESG-Risiken kategorisiert werden.
Das zentrale Ergebnis: Die globale Stimmung ist deutlich von Unsicherheit und Pessimismus geprägt. 50 % der Befragten erwarten für die kommenden zwei Jahre eine „turbulente“ oder „stürmische“ Entwicklung der Weltlage. Für den Zehnjahreshorizont steigt dieser Anteil auf 57 %. Gleichzeitig sieht lediglich rund 1 % der Befragten eine „ruhige“ Entwicklung – unabhängig vom betrachteten Zeitraum.

Grafik: Global Outlook (WEF Report 2026)
Der Bericht bringt diese Entwicklung klar auf den Punkt: Unsicherheit ist das prägende Merkmal der globalen Risikolandschaft 2026. Risiken nehmen nicht nur an Schwere zu, sondern auch an Geschwindigkeit und Vernetzung. Für Unternehmen bedeutet das: Entscheidungen müssen unter Bedingungen getroffen werden, in denen Stabilität nicht mehr die Grundannahme ist.
Kurzfristige Risiken: geopolitischer und gesellschaftlicher Fokus
Mit Blick auf die nächsten zwei Jahre dominieren vor allem geopolitische und gesellschaftliche Risiken (S und G der ESG-Risiken).

Grafik: Top 10 kurzfristige Risiken (WEF Global Risks Report 2026)
Diese Risiken sind für Unternehmen hochrelevant. Sie wirken unmittelbar auf:
- Lieferketten und Beschaffungsmärkte,
- Investitionsentscheidungen,
- Marktzugänge.
Der Bericht zeigt außerdem deutlich: Der Rückzug von Multilateralismus und das schwindende Vertrauen in internationale Regeln und Institutionen verschärfen diese Entwicklungen zusätzlich. Handels-, Finanz- und Technologiebeziehungen werden zunehmend als strategische Machtinstrumente eingesetzt. Für Unternehmen erhöht das die Planungsunsicherheit und das Risiko abrupt veränderter Rahmenbedingungen.
Langfristige Risiken: Umwelt und Erdsysteme als strategischer Faktor
Mit einem Zeithorizont von zehn Jahren verschiebt sich der Fokus der Risikowahrnehmung deutlich. Umweltbezogene Risiken dominieren klar die langfristige Perspektive (das E der ESG-Risiken).

Grafik: Top 10 langfristige Risiken (WEF Global Risks Report 2026)
Diese Risiken sind struktureller Natur. Sie lassen sich schwierig kurzfristig kompensieren noch isoliert managen. Es wird klar: Umwelt- und Klimarisiken sind keine entfernten Zukunftsszenarien, sondern prägen bereits heute die langfristige Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft.
Für Unternehmen ist das ein klares Signal:
- Klimawandelanpassung wird zur Management- und Führungsaufgabe.
- Abhängigkeiten von natürlichen Ressourcen müssen systematisch analysiert und gesteuert werden.
- Resilienz entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Wertschöpfung.
Warum die Vernetzung der Risiken entscheidend ist
Ein zentrales Merkmal des Global Risks Report 2026 ist der Fokus auf Wechselwirkungen zwischen Risiken. Risiken treten nicht isoliert auf, sondern verstärken sich gegenseitig.

Grafik: Wechselwirkungen zwischen Risiken (WEF Global Risk Report 2026)
Für das Management bedeutet das:
- Priorisierung wird anspruchsvoller.
- Gleichzeitig entstehen Hebel für Wirkung.
Wer gezielt an zentralen Stellschrauben ansetzt – etwa klimaresiliente Geschäftsmodelle oder nachhaltige Beschaffung – adressiert mehrere Risikodimensionen gleichzeitig.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Der Global Risks Report 2026 liefert keine operative Anleitung. Er bietet jedoch eine klare Orientierung. Unternehmen sollten:
- Risiken nicht isoliert, sondern systemisch betrachten.
- Nachhaltigkeit, Risikomanagement und Strategie enger verzahnen.
- Schwerpunkte setzen, statt auf jedes Thema gleichzeitig zu reagieren.
Gerade in einem Umfeld anhaltender Unsicherheit wird Klarheit zur entscheidenden Ressource.
Wir unterstützen Sie gerne dabei, relevante Nachhaltigkeits- und Risikothemen zu strukturieren, Wechselwirkungen zu verstehen und eine klare, unternehmensspezifische Priorisierung zu entwickeln. Weg von Überforderung – hin zu Orientierung, Fokus und umsetzbaren nächsten Schritten.
Weiterführende Informationen
Erfahren Sie mehr zur Entwicklung ihrer Nachhaltigkeitsambition: Nachhaltigkeitsambition entwickeln: Warum es auf Klarheit, Vision und Positionierung ankommt – susform
Quellen